Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern-Chapter 346: Ein Sterblicher wagte es, mir zu drohen

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Chapter 346: Ein Sterblicher wagte es, mir zu drohen

Sie fragten ihn nicht, was passiert war.

Sie mussten es nicht.

In dem Moment, als er hereintrat, warteten sie bereits, auf dem Sofa zusammengerollt, als hätten sie einen Platz nur für ihn freigehalten. Sie sagten kein Wort. Stellten keine Fragen, machten keine Witze.

Sie streckten einfach die Hand aus.

Und zogen ihn zu sich hinunter – als wäre es das Natürlichste auf der Welt.

Evelyn ließ sich an seiner linken Seite nieder.

Everly nahm seine rechte.

Diesmal kein Necken.

Keine spielerischen Kommentare.

Nur ruhiges Atmen. Wärme. Diese einfache Art von Nähe, die keine Erklärung brauchte.

Sie bewegten sich lange Zeit nicht.

Es war ruhig.

Still.

Als ob selbst die Luft verstanden hätte, dass Stille jetzt wichtig war. Als hätte der Raum beschlossen, den Atem anzuhalten und den Moment unberührt zu lassen.

Ethans Arme ruhten um sie beide – nicht fest, nicht zögerlich. Einfach beständig. Ein Arm über Evelyns Rücken gelegt.

Der andere leicht über Everlys Schulter gebogen. Ihre Körper schmiegten sich an seinen, als wären sie schon immer dazu bestimmt gewesen, so zu sitzen, die drei bildeten etwas Festes, ohne es zu versuchen.

Evelyns Kopf drückte sanft gegen seine Schulter. Ihre Augen waren halb geschlossen, ihr Atem langsam und gleichmäßig, als hätte sie endlich den Ort gefunden, nach dem sie den ganzen Tag gesucht hatte.

Everly lehnte sich an, bis ihre Wange auf seiner Brust ruhte. Sie rutschte ein wenig, um es sich bequemer zu machen, dann bewegte sie sich nicht mehr.

Ihre Hand fand seine. Keine Worte. Nur Finger, die sich zwischen seine schoben und festhielten.

Niemand sprach.

Sie mussten es nicht.

Denn das hier – genau das – war die Antwort auf tausend Fragen, die nie laut gestellt worden waren.

Ethan wusste nicht, wie lange sie so blieben. Minuten. Vielleicht mehr.

Zeit war jetzt nicht wichtig.

Was zählte, war, dass zum ersten Mal seit Tagen der Druck in seiner Brust endlich nachgelassen hatte.

Der feste Knoten aus Sorge und Anspannung, den er nicht einmal bemerkt hatte – er löste sich. Leise. Sanft.

Als hätte jemand einen schweren Mantel von seinen Schultern genommen, ohne einen Laut zu machen.

Er hatte keine Schmerzen.

Er war nicht erschöpft.

Aber das Gewicht in ihm war zu lange da gewesen. Es hatte sich leise festgesetzt, versteckt hinter Handlung und Fokus.

Jetzt, in diesem stillen Raum mit zwei Mädchen, die nichts von ihm verlangten, verblasste es endlich.

Evelyn sprach nicht.

Aber ihre Hand umklammerte leicht den Stoff seines Ärmels. Nicht um ihn näher zu ziehen, sondern nur, um verbunden zu bleiben.

Und das bedeutete mehr als alles, was sie hätte sagen können.

Dann bewegte sich Everly.

Nicht viel. Nur eine kleine Verschiebung. Sie rollte sich auf die Seite und sah zu ihm auf, den Kopf leicht geneigt, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

"Ich habe es dir schon einmal gesagt," murmelte sie. "Wir sind bei dir. Wohin das auch führt."

Sie schaute nicht weg.

Blinzelte nicht.

Und sie sagte es nicht zum Trost.

Sie meinte es ernst.

Evelyn antwortete nicht mit Worten. Aber das musste sie auch nicht. Ihre Hand verstärkte ein zweites Mal ihren Griff, ihr Daumen strich leicht über den Stoff zwischen ihnen.

Ethan nickte einmal.

Er machte keine Versprechungen.

Das musste er nicht.

Sie verstanden bereits.

Dann – gerade als die Stille sich wieder ausbreitete – veränderte sich etwas.

Nicht im Raum.

Nicht im Haus.

Sondern weit darüber hinaus.

Irgendwo ganz woanders.

Es war kein Licht. Es war keine Energie.

Es war ein Gefühl.

Subtil. Tief. Die Art von Bewusstsein, das von oben, von außen, von irgendwoher drückt, das eigentlich keine Aufmerksamkeit schenken sollte – aber es plötzlich tut.

Etwas hatte seinen Blick auf die Erde gerichtet.

Es kam nicht mit einem Blitz oder einem Geräusch.

Es wurde einfach... bewusst.

Und in dieser stillen Verschiebung begann etwas Altes, sich zu bewegen.

Weit jenseits der Erde, hinter den letzten kreisenden Satelliten und treibenden Trümmern, gab es einen Ort, der auf keiner Karte erschien. Nicht weil er versteckt war. Sondern weil er gewartet hatte.

Ein einzelner Thron stand in der Mitte dieses Ortes. Er war nicht aus Stein oder Metall gebaut, sondern einfach aus der Leere selbst geformt – geschwungen und fest, als hätte die Leere zugestimmt, jemanden zu halten.

Auf diesem Thron ruhte ein Mann.

Regungslos.

Still.

Er atmete nicht.

Blinzelte nicht.

Musste es nicht.

Sein Haar war lang, dunkel wie kalte Asche, und trieb wie Rauchfäden hinter ihm. Sein Körper saß aufrecht, gehüllt in Gewänder, die sich bewegten, selbst wenn die Luft stillstand.

Sie waren nicht dekorativ. Nur alt. Getragen wie eine Erinnerung.

Seine Haut war blass. Nicht kränklich. Nur unberührt von der Zeit.

Und seine Augen – jetzt geschlossen – waren von der Art, die sich seit Jahren nicht geöffnet hatten.

Aber sein Finger bewegte sich.

Nur einer.

Ein langsames Zucken. Wie etwas Uraltes, das sich nach langem Schlaf streckt.

Er sprach nicht.

Schaute nicht auf.

Noch nicht.

Stattdessen neigte er den Kopf. Ein Bruchteil. Als würde er etwas aus großer Entfernung hören.

Dann – fast amüsiert – lächelte er.

Nicht mit Wärme.

Mit Wiedererkennen.

Er hob seine linke Hand.

Ein Bildschirm erschien vor ihm – nicht projiziert, nicht digital. Einfach aus seinem Willen geformt, zu etwas Lesbarem gestaltet. Die Art von Anzeige, die nur existierte, weil er entschied, dass sie existieren sollte.

Worte bildeten sich auf der Oberfläche.

Ein Bericht.

Kurz. Klar. Präzise.

Keine Panik. Keine fettgedruckten Buchstaben. Nur Fakten.

Der Blasse Spiegel war abgefangen worden.

Der Erbe war beteiligt.

Und eine Warnung – ruhig, aber direkt – war an einen seiner verborgenen Kulte übermittelt worden.

"Wenn ihr so etwas noch einmal tut... werden wir nicht schweigen."

Er las es.

Dann hielt er inne.

Der Bildschirm flackerte nicht.

Der Thron bewegte sich nicht.

Aber der Raum um ihn herum hielt den Atem an.

Dann, leise, ließ er einen Atemzug durch seine Nase entweichen.

Keine Frustration.

Etwas, das eher Neugier ähnelte.

Er öffnete seine Augen.

Und die Dunkelheit in ihnen war tief.

Gewaltig.

Sie ist leer, wie alter Weltraum leer ist – nicht weil es ihr an Leben mangelt, sondern weil sie zu viel davon gesehen hat.

"Ein Sterblicher," sagte er leise, "wagte es, mir zu drohen."

Seine Stimme war nicht laut.

Sie hallte nicht wider.

Aber sie legte sich in die Leere wie eine Klinge, die sanft auf einen Tisch gelegt wird.

Er bewegte seine Hand erneut.

Ein Panel entfaltete sich neben ihm.

Eine uralte Schnittstelle erwachte zum Leben – ihre Farben stumpf, ihre Daten pulsierten mit dem leisen Summen von etwas, das zu lange darauf gewartet hatte, benutzt zu werden.

Er berührte es einmal.

Alte Symbole flackerten.

Koordinaten.

Namen.

Schreine.

Tempel, versteckt unter modernen Städten, getarnt als Ruinen, und ihre Priester vergraben in falschen Identitäten und vorgetäuschten Ruhestände.

Er sah zu, wie sie scrollten.

Dann tippte er erneut.