Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern-Chapter 345: Wieder in tiefen Gedanken versunken?

If audio player doesn't work, press Reset or reload the page.
Chapter 345: Wieder in tiefen Gedanken versunken?

Everly lächelte nicht.

Aber etwas in ihrer Haltung fühlte sich jetzt anders an. Sicherer. Als ob ein Teil von ihr endlich an seinen Platz gefallen wäre—etwas, das schon immer da gewesen war, nur jetzt klarer.

— 𝙛𝓻𝒆𝓮𝒘𝙚𝙗𝒏𝙤𝙫𝓮𝒍.𝓬𝒐𝙢

Es war bereits spät, als sie ihn fand.

Ethan saß am Fluss, weit entfernt vom Haupthain. Die einzigen Geräusche um ihn herum waren das sanfte Plätschern des Wassers und das leise Rascheln des Windes in den Bäumen.

Seine Beine waren vor ihm ausgestreckt, seine Augen auf das Licht gerichtet, das auf der Oberfläche tanzte. Der Himmel über ihm war jetzt dunkler—weniger Mond, mehr Sterne.

Sie rief nicht nach ihm.

Sie ging einfach hinüber und setzte sich neben ihn, ließ die Stille bestehen.

Nach ein paar Minuten stupste sie ihn sanft mit ihrer Schulter an.

"Wieder in tiefen Gedanken versunken?"

Er schaute für einen Moment zu ihr hinüber, dann wieder aufs Wasser. "Nicht wirklich."

Sie schenkte ihm ein schiefes Lächeln. "Lügner."

Aber das war es. Sie neckte ihn nicht weiter. Sie musste es nicht.

Die Stille zwischen ihnen war nicht unangenehm. Sie fühlte sich einfach... richtig an, als gehöre sie dorthin.

Nach einer Weile begannen die Steine unter ihren Füßen schwach zu leuchten—sanfte kleine Lichtpulse von unter der Oberfläche.

Es war etwas, das die Elfen in das Land eingebaut hatten, erinnerte sich Everly. Diese Lichter erschienen nur, wenn zwei Menschen Seite an Seite, im Einklang miteinander gingen. Keine Magie nötig—nur die Absicht, einander nahe zu sein.

Sie blickte auf das Leuchten hinab. Dann streckte sie langsam die Hand aus und nahm seine.

Normalerweise würde sie das mit einem Grinsen oder einem spielerischen Kommentar tun.

Diesmal hielt sie einfach nur fest.

Und ließ nicht los.

Das Licht wurde etwas heller.

Ethan drehte sich um, um sie wieder anzusehen, und für einen Moment begegnete sie seinem Blick nicht. Aber dann tat sie es doch.

Und ihre Stimme klang sanfter als sonst.

"Ich necke diesmal nicht," sagte sie. "Ich meine es ernst."

Das Licht unter ihren Füßen pulsierte einmal. Dann blieb es stetig.

Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter.

Nicht um ein Lachen zu bekommen.

Nicht um herumzualbern.

Einfach nur, weil sie es wollte.

Und das war genug.

Keine Witze. Keine Spielchen.

Nur sie.

Nur er.

Und die Stille der Welt um sie herum.

Es gab keine Vorwarnung.

Keine Veränderung im Wind. Kein Geräusch. Kein Gefühl.

Einen Moment saß Ethan mit Everly am Fluss unter einem friedlichen Nachthimmel.

Im nächsten änderte sich alles.

Die Sterne verschwanden. Der Boden verblasste. Und Ethan fand sich an einem Ort wieder, der sich nicht real anfühlte.

Es gab keine Wände. Keine Decke. Nur grauer, wirbelnder Raum um ihn herum—wie ein Traum, der noch nicht fertig gebaut war.

Der Boden unter seinen Füßen war fest, aber kaum. Die Luft stand still, als hätte die Zeit pausiert.

Er erkannte, was es war.

Ein weiterer Test.

Aber dieser war anders als die anderen.

Er machte einen Schritt nach vorne. Der Boden bewegte sich nicht.

Noch ein Schritt. Immer noch fest.

Dann begannen die Illusionen.

Schnelle, chaotische, erschütternde Szenen prallten ins Blickfeld. Ein Blinzeln—er war zu Hause, Lilith schrie. Ein weiteres—Evelyn lag im Schnee, Augen offen, leblos. Noch eines—sein Spiegelbild in einem zerbrochenen Spiegel, das ihn anlachte.

Alles davon ist falsch.

Alles versucht, seinen Kopf zu verwirren.

Aber Ethan zuckte nicht zusammen.

Er hörte nicht auf.

Er ging einfach weiter.

Jede Illusion zerbrach in dem Moment, als er hindurchging. Nicht weil er sie zum Zerbrechen zwang—sondern weil er nicht reagierte. Er gab ihnen nichts, wovon sie sich nähren konnten.

Er wusste, dass nichts davon real war.

Also ließ er es los.

Das Feld veränderte sich wieder und versuchte eine andere Taktik.

Diesmal zeigte es ihm, wie er versagte. Training bis zum Zusammenbruch. Falsche Entscheidungen treffen. Menschen enttäuschen. Szenen, die darauf ausgelegt waren, ihn klein zu fühlen. Schwach.

Aber wieder ging er einfach weiter.

Ruhig. Stetig. Mit fokussiertem Blick.

Er versuchte nicht, den Bildern zu entkommen.

Er löschte sie aus.

Dann erschien etwas Neues.

Eine Version von ihm selbst—verdreht, kalt, wütend.

"Du bist weich," sagte die Kopie. "Du zögerst. Du kümmerst dich zu sehr."

Ethan schaute sie an.

Er antwortete nicht.

Dann griff die Kopie an.

Aber sie traf nichts.

Ethan war nicht mehr da.

Die Illusion zerfiel.

Er hatte nicht stillgestanden. Er bewegte sich bereits, bevor die Kopie zuschlug. Immer in Bewegung.

Da veränderte sich das Feld erneut.

Diesmal griff es sein Raum- und Zeitgefühl an.

Feinde kamen aus allen Winkeln—manche schnell, manche langsam, manche sprangen vorwärts wie ein kaputtes Filmband.

Klingen schlugen von beiden Seiten zu, Schritte hallten wider, wo niemand stand. Alles ging schief.

Aber Ethan kämpfte nicht so, wie andere es tun würden.

Er bewegte sich hindurch wie Wasser.

Nicht schneller.

Nur klüger.

Er wich den Schlägen nicht aus—sie verfehlten ihn einfach. Seine Illusionsfähigkeit ließ es so wirken, als hätte er den Ort, auf den sie zielten, bereits verlassen. Für sie war er immer einen Schritt voraus, selbst wenn er sich nicht bewegte.

Sie reagierten auf Dinge, die nicht real waren—Geräusche, die nicht da waren, Schatten, die in dem Moment verschwanden, in dem sie ihnen nachjagten.

Denn jetzt benutzte er die Illusion nicht zum Verstecken.

Er benutzte sie zum Führen.

Um ihre Gedanken auf den falschen Weg zu leiten.

Jeden Fehler, den sie machten—hatte er gepflanzt.

Und am Ende fielen die Illusionen auseinander.

Der Raum wurde wieder still.

Er stand allein.

Ihm gegenüber stand jetzt eine Person.

Seine Mentorin.

Sie sagte zunächst nichts. Beobachtete ihn nur.

Dann sprach sie endlich.

"Du hast die Schwelle erreicht," sagte sie. "Ein Schritt weiter, und du bist nicht mehr mein Schüler."

Ethan sah sie an. Ein schwaches Lächeln berührte seine Lippen.

"Dann bleibe ich vielleicht hier stehen," sagte er. "Ich mag unsere Gespräche."

Ihre Lippen zuckten, nur ein wenig.

"Ich erlaube es."

Dann verschwand sie.

Kein Geräusch. Kein Aufflackern von Magie.

Einfach weg.

Ethan stand noch einen Moment länger da.

Dann atmete er aus.

Er war nicht müde. Sein Mana war nicht gesunken. Aber etwas in ihm hatte sich verändert. Ein Teil von ihm war in eine neue Form gewachsen—keine plötzliche Verwandlung—nur ein stilles Wachstum.

Als er zurück in die Suite ging, war alles still.

Das Licht war gedämpft. Die Luft roch schwach nach warmen Kräutern—Überreste des Bades, das sie früher genommen hatten.

Die Zwillinge waren da.

Keine von beiden sagte etwas, als er hereintrat.

Sie mussten es nicht.

Evelyn bewegte sich zuerst. Sie ging zu ihm und schlang ihre Arme um ihn, hielt ihn fest ohne ein Wort.

Everly folgte einen Moment später, schmiegte sich an seine Seite und legte ihren Kopf an seine Brust.