Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern-Chapter 333: Echo-Gärten

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Chapter 333: Echo-Gärten

Ein Wald.

Die Bäume waren hoch. Ihre Stämme waren dunkel – schwarz in der Farbe, an manchen Stellen glatt und an anderen rissig, wie alter Stein, der zu viele Winter gesehen hatte.

Die Rinde reflektierte kein Licht. Sie verschlang es. Ihre Blätter wirkten dünn und scharf, fast wie Klingen, die in langen, schmalen Formen wuchsen, die sich nicht im Wind bewegten, weil...

Es gab keinen Wind.

Nichts bewegte sich.

Und doch, etwas an den Schatten zwischen den Bäumen ließ dich fühlen, als würde sich etwas bewegen – nur nicht schnell. Nicht laut. Langsam genug, dass es nicht gesehen werden würde, es sei denn, du starrtest zu lange.

Als ob etwas wartete.

Ein Pavillon stand direkt am Rand dieses Waldes, wo die wilden Bäume auf den Rand des Gartens trafen.

Aus Holz. Einfach. Gebaut auf einer kurzen Plattform aus Stein, die ihn gerade genug vom Boden abhob, um ihn wie einen Ort wirken zu lassen, in den man hinaufsteigen musste, nicht einfach hindurchgehen.

Es gab keine Verzierungen. Keine hängenden Lichter. Keine Wandpaneele oder Banner oder in Holz geätzte Namen.

Nur vier Pfosten. Ein Dach. Und Stille.

Everly verlangsamte ihre Schritte zuerst.

Ihre Augen wanderten vom Garten zum Wald und blieben dann an der Holzstruktur hängen.

"Hier sollen wir hin?" fragte sie leise.

Evelyn tippte erneut auf das Markierungssymbol, ihr Blick huschte zum Rand ihres Interfaces.

Raum 47.

Aber es gab keine Tür.

Der Pfeil auf der Karte zeigte direkt auf den Pavillon.

"Das ist kein Raum," sagte Everly mit leichtem Stirnrunzeln. "Es ist eine Hütte. Mitten auf einem Feld."

"Und sie ist nicht einmal mit dem Gebäude verbunden," fügte Evelyn hinzu, ihre Stimme ruhig, aber jetzt schärfer. "Das ergibt keinen Sinn."

Nyssara trat vor und blickte zwischen ihnen und dem Waldrand hin und her.

"Sie gehen wirklich voll auf das ’mysteriöser Mentor’-Setup ein."

Everly antwortete nicht.

Sie starrte immer noch auf die Baumlinie.

Irgendetwas daran fühlte sich nicht richtig an.

Sie wusste nicht warum.

Es war keine Angst. Es war nicht einmal Unbehagen.

Es war nur ein kleiner Alarm, der in ihrem Hinterkopf losging, wie eine Warnung, die noch nicht ihre volle Lautstärke erreicht hatte.

"Etwas stimmt nicht," murmelte sie leise.

Evelyn schaute sich bereits um, ihre Augen scannten die Baumkronen und das Unterholz. Ihre Haltung hatte sich leicht verändert, subtil, aber bewusst.

"Das fühlt sich nicht wie ein normaler Treffpunkt an."

Nyssara hob eine Augenbraue. "Was? Denkst du, es ist eine Falle?"

"Nein," sagte Evelyn ohne zu zögern. "Aber es ist definitiv nicht standard."

Eine Brise zog in diesem Moment an ihnen vorbei.

Sie war nicht stark. Gerade genug, um die Ränder ihrer Uniformen zu streifen und die Spitzen der Blumen in der Nähe zu bewegen.

Aber sie trug etwas Seltsames mit sich.

Nicht kalt.

Nicht warm.

Nur eine Präsenz.

Die Blütenblätter in ihrer Nähe begannen, die Farbe zu wechseln, reagierten nicht auf den Wind, sondern auf das Mana in der Luft.

Sanfte Wellen bewegten sich durch den Garten.

Einige Blumen wechselten von blassem Weiß zu sanftem Blau. Andere verwandelten sich in tiefes Violett mit Schimmern von Silber.

In der Nähe von Evelyn begann ein Bündel eisblauer Blüten schwach zu leuchten, als ihr Mana über sie strich. Ein leichter Schimmer von Nebel kräuselte sich von ihren Blütenblättern. Kein Frost – aber nahe dran.

Es war subtil.

Aber sichtbar.

Nyssara neigte leicht den Kopf. "Sie sind lebendig."

"Sie sind mehr als das," sagte Evelyn und trat langsam auf sie zu. "Sie reagieren auf uns; es ist, als wären sie miteinander verbunden."

Nyssara hockte sich neben einen Fleck rotgoldener Blumen. Sie berührte sie nicht – ließ nur ihre Hand in der Nähe schweben und ließ einen Hauch ihrer Energie hinausfließen.

Die Blütenblätter zitterten leicht.

Ein schwacher Wärmepuls rollte nach außen und breitete sich unter dem Boden aus. Everly spürte die Temperaturveränderung durch die Sohlen ihrer Stiefel.

"Vulkanischer Typ," sagte sie leise.

"Sie scheinen unterdrückt zu sein," fügte Evelyn hinzu. "Aber kaum."

Nyssara stand wieder auf. "Ich halte es unter Kontrolle. Die meisten Tage. Heißt nicht, dass es weg ist."

Sie gingen weiter, jetzt langsamer.

Der Garten öffnete sich weiter vor ihnen, und obwohl die Farben hell waren und die Luft einen süßen, erdigen Duft trug, fühlte sich nichts davon entspannend an.

Die Bäume bewegten sich nie.

Aber die Schatten taten es.

Jetzt nur ein wenig tiefer.

Nur ein wenig dichter.

Und dann war da ein Geräusch.

Tief.

Schwach.

Wie Atem.

Kein Knurren. Kein Wind.

Nur ein sanftes, gleichmäßiges Ausatmen von etwas Großem und Verborgenem.

"Hast du das gehört?" fragte Evelyn.

Everly nickte einmal. "Ja. Und es ist kein natürlicher Wind."

Nyssara blickte bereits zum Wald. "Fühlt sich auch nicht wie eine Bestie an. Keine Tötungsabsicht."

Die drei erreichten die Stufen des Pavillons.

Immer noch niemand in Sicht.

Keine Systemnachricht. Kein offizielles Signal. Keine aufgezeichnete Mentor-ID, die die Ankunft bestätigte.

Nur der stille Garten.

Die unbeweglichen Bäume.

Und das Gefühl, dass sie bereits beobachtet wurden.

Nyssara trat näher, ihre Augen erfassten einen matten Glanz am Rand eines der Steine.

Sie kniete nieder und wischte einige Blätter weg.

"Hier ist eine Plakette," sagte sie. "Halb bedeckt."

Evelyn drehte sich, um zu schauen. "Was steht darauf?"

"Echo-Gärten," antwortete Nyssara und stand langsam auf.

Ihre Stimme war jetzt leise.

"Das ist eines der alten Kultivierungsfelder," fuhr sie fort. "Es stammt aus der Astralis-Überlieferung. Soll ein Ort sein, an dem Initianten getestet wurden."

"Getestet worauf?" fragte Everly.

"Kompatibilität," antwortete Nyssara. "Es heißt, dass wenn drei kompatible Energien hier aufeinandertreffen, der Wächter erwacht."

Everly verschränkte die Arme. "Glaubst du das?"

Nyssara zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung. Das ist nur, was ich von einem älteren Studenten gehört habe. Könnte eine alte Geschichte sein. Könnte echt sein."

Evelyn sah sich noch einmal langsam um.

Die Symmetrie des Gartens.

Die Art, wie sich die Energie veränderte, je nachdem, wer sich bewegte.

"Es ist nicht nur hier, um schön auszusehen," sagte sie.

Nyssara nickte einmal. "Nein. Es tut definitiv etwas."

Dann pulsierte der Boden.

Kein Beben.

Nicht gewaltsam.

Nur ein leises Brummen – als hätte der Raum um sie herum Atem geholt.

Die Blumen, die dem Pavillon am nächsten waren, erblühten plötzlich, eine nach der anderen, in einer Welle von Rot... Violett... und dann reinem Weiß.

Die Brise kehrte zurück.

Diesmal etwas stärker.

Stark genug, um die Ränder ihrer Haare zu bewegen. Stark genug, um den Klang von etwas zu tragen, das sich bewegte.

Der Wald regte sich.

Ein Ast knarrte. 𝚏𝗿𝗲𝐞𝚠𝕖𝐛𝗻𝗼𝐯𝕖𝚕.𝚌𝗼𝗺

Und dann kam die Stimme.