Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern-Chapter 343: Meinst du so... für immer?

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Chapter 343: Meinst du so... für immer?

"Ich weiß", sagte Ethan. "Aber es fühlte sich trotzdem nicht genug an."

Ardis sah zu ihm hinüber, ihr Gesichtsausdruck ruhig. Dann fragte sie leise: "Wen willst du beschützen?"

Er antwortete nicht sofort. Diese Frage traf ihn tiefer, als er erwartet hatte.

Er schaute sie an, dann blickte er weg.

Sie wiederholte die Frage nicht. Drängte ihn nicht. Sie ließ sie einfach im Raum stehen.

Seine Gedanken waren nicht laut. Nur beständig.

Er dachte an Lilith. An seine Schwestern. An die Mondschattenzwillinge. Sogar an Ardis, auf eine stille Weise. Aber es ging nicht darum, wen er mochte. Es war tiefer als das.

Es ging darum, vor wen er sich stellen würde, wenn etwas schiefginge.

Für wen er den Schlag einstecken würde?

Für wen er kämpfen würde, egal was es ihn kosten würde.

Er sagte nichts laut.

Aber etwas in seinem Gesicht veränderte sich. Seine Augen wurden ruhiger.

Ardis bemerkte es.

"Du musst es nicht sofort wissen", sagte sie sanft. "Aber sobald du es weißt – dann wird deine Stärke nicht mehr nur etwas sein, das du hast, sondern etwas, das du benutzt."

Danach sprachen sie nicht mehr.

Die Stille war nicht unangenehm. Es fühlte sich einfach... richtig an, als müsste nichts mehr gesagt werden.

Als Ethan schließlich wieder aufstand, hatte sich etwas in seiner Bewegung verändert.

Seine nächste Illusion formte sich in dem Moment, als er daran dachte.

Keine Anstrengung, keine lange Vorbereitung.

Es geschah einfach, nicht weil er sich mehr anstrengte.

Sondern weil es von einem tieferen Ort kam, es hatte Gewicht, Absicht.

Nicht nur eine verschwommene Kopie von sich selbst – sondern eine Präsenz.

Etwas Lebendiges.

Er lernte nicht mehr nur, Illusionen zu benutzen.

Er wurde jemand, der durch sie lebte.

Und das machte ihn gefährlich – nicht weil er Menschen täuschen konnte, sondern weil er durch eine Welt voller Lügen gehen konnte...

Und nie sein Gefühl dafür verlieren würde, was wichtig war.

Währenddessen saß Evelyn ruhig unter dem Silberblattbaum. Ihre Beine waren unter ihr gefaltet, ihre Hände ruhten in ihrem Schoß.

Ihr gegenüber spiegelte Thalynae die gleiche ruhige Haltung. Der Hain um sie herum machte nicht viel Lärm.

Es war nicht still – es fühlte sich nur... ruhig an. Friedlich. Als würde selbst der Wind ein wenig langsamer werden, wenn er hier durchzog.

Ab und zu fiel ein Blatt herab und fing ein wenig Licht ein, während es zu Boden schwebte.

Das Training hatte sich verändert.

Es gab keine Energiestöße oder Schilde mehr. Kein Sparring oder Mana-Übungen. Es ging nicht mehr um Kraft.

Nicht im Lebenshain.

Evelyn hatte bereits gelernt zu kämpfen. Wie man sich konzentriert, zaubert, blockt und reagiert.

Jetzt lernte sie loszulassen.

Thalynaes Stimme war leise, aber stetig. Sie fühlte sich immer wie ein Teil des Hains selbst an.

"Deine Blutlinie zwingt die Natur nicht zuzuhören," sagte sie. "Sie hört zuerst zu. Dann verbindet sie sich."

Evelyn antwortete zunächst nicht.

Sie starrte auf nichts Bestimmtes, ihre Augen weich.

"Ich glaube nicht, dass ich weiß, wie man das macht," sagte sie leise.

Thalynae drängte nicht.

Stattdessen streckte sie die Hand aus und legte sie sanft an den Stamm des Silberblattbaums. Die Rinde veränderte sich nicht, aber sie pulsierte für einen Moment, als würde sie als Antwort atmen.

"Dann beginnen wir dort," sagte Thalynae.

Evelyn nickte leicht.

Sie streckte die Hand aus und berührte das Gras.

Zuerst geschah nichts.

Kein Leuchten. Keine Veränderung.

Aber Thalynae lächelte schwach.

"Versuche nicht, etwas zu formen. Nimm einfach wahr."

Also tat sie das.

Lange Zeit saß Evelyn einfach da und spürte den Boden.

Zuerst fühlte es sich wie immer an – kühl, ein wenig feucht.

Aber langsam begann sich etwas in ihr zu verändern.

Ihr Atem wurde langsamer.

Ihr Mana hörte auf zu ziehen.

Und anstatt nach außen zu drücken, wurde es weicher. Vermischte sich.

Sie erzwang nichts. Sie... verweilte einfach damit.

Ihre Finger erwärmten sich leicht. Nicht durch Magie. Nur durch Präsenz.

Thalynae beobachtete.

"Du kommst näher," sagte sie.

Evelyn sprach nicht. Sie musste nicht.

Ihr Geist war nicht fokussiert wie sonst – er hatte sich geweitet, entspannt. Sie begann Dinge zu spüren, die sie normalerweise übersah.

Dann geschah es.

Kein Licht. Kein Geräusch.

Nur ein kleiner, leiser Puls aus dem Gras unter ihren Fingern.

Eine Art... ja.

Eine Brise wehte durch den Hain. Sie bewirkte nicht viel.

Aber Evelyns Mana bewegte sich mit ihr. Nicht auf Befehl. Ganz natürlich. Es bog sich um ihre Schultern und ließ sich dann wieder nieder.

Sie lächelte nicht. Aber ihr Gesicht wurde weicher.

"Ich habe es gespürt," flüsterte sie.

Thalynae nickte langsam.

"Das ist Harmonie," sagte sie. "Und Harmonie eilt nicht."

Evelyns Lippen öffneten sich leicht, als wollte sie etwas sagen – aber keine Worte kamen heraus.

Sie spürte immer noch, wie es sich setzte.

Thalynae stand auf, ihre Schritte so leicht, dass sie kaum ins Gras drückten.

"Eines Tages," sagte sie, "kannst du so durch den Kampf gehen. Nicht als Kämpferin. Als jemand, mit dem sich die Welt bewegt."

Evelyn schaute auf.

"Du meinst so... für immer?"

"Nein," antwortete Thalynae. "Aber fast. Mit Übung wird deine Präsenz diese Ruhe mit dir tragen – selbst in Lärm und Chaos."

Die Worte klangen nicht wie Anweisungen. Eher wie eine Erinnerung.

Evelyn blieb sitzen, während Thalynae wegging.

Und als sie ihre Augen wieder schloss, streckte sie sich aus – nicht mit ihren Händen, sondern mit ihren Gedanken. Zu ihrer Schwester. Zu Ethan.

Da wurde es leichter.

Die Verbindung zwischen ihnen war wie ein Faden – leicht, warm, stetig. Er zog nicht und spannte sich nicht. Blieb einfach nah.

Und das half.

Die Zauber in ihr – normalerweise angespannt, bereit, scharf – fühlten sich jetzt weicher an. Nicht schwach. Nur... flexibel. Als könnten sie sich bewegen, ohne Kraft zu benötigen.

Selbst als das Licht zu verblassen begann und der Himmel über dem Hain sanft blau wurde, stand Evelyn nicht auf.

Sie blieb dort, strich mit den Fingern durch das Gras.

Ließ alles zur Ruhe kommen.

Dann – Schritte.

Nicht schnell. Nicht laut. Einfach ruhig.

Sie drehte leicht den Kopf.

Ethan war da.

Er sagte nichts. Fragte nicht, ob es in Ordnung sei, näher zu kommen.

Sie lächelte trotzdem.

Hob eine Hand ein wenig, gerade genug, um ihm zu zeigen, dass er willkommen war.

Er kam herüber, leise wie immer, und setzte sich neben sie.

Sie sprachen nicht.

Der Silberblattbaum raschelte einmal, und ein einzelnes Blütenblatt schwebte herab und landete sanft neben Ethans Schulter.

Er wischte es nicht weg.

Evelyn lehnte sich leicht an ihn.

Nicht weil sie es musste.

Nur weil es sich gut anfühlte, nah zu sein.

Ihre Hand berührte seinen Arm, die Finger strichen leicht darüber. Sie zog sie nicht zurück.

Er sah sie an.

Ihre Blicke trafen sich.

Sie lächelte – klein, ruhig.

"Wir werden alle stärker," sagte sie.