Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern

Chapter 253: Wir waren alle normal davor

Incubus Leben in einer Welt von Superkraft-Nutzern

Chapter 253: Wir waren alle normal davor

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Chapter 253: Wir waren alle normal davor

Die Halle der Präsenz hatte sich nicht bewegt.

Sie auch nicht.

Die Dekanin stand in der Mitte der Plattform, Füße fest auf dem Boden, Mantel regungslos, Hände entspannt an den Seiten. Kein Flackern von Macht. Keine Theatralik. Nur Stille, die sich weit genug erstreckte, um den Atem stocken und die Gedanken schärfer werden zu lassen.

Dann begann sie endlich zu gehen.

Ein Schritt. Dann noch einer.

Ihre Absätze hallten nicht wider. Der Stein unter ihr dämpfte den Klang nicht – er absorbierte ihn. Als ob die Halle erkannte, wer sie war, und still Platz für sie machte.

Sie ging auf den Rand der Plattform zu.

Kein Scheinwerfer bewegte sich. Keine Veränderung der Beleuchtung. Nur ihre Stimme.

"Es gab eine Zeit," sagte sie, "als niemand Kräfte hatte."

Immer noch ruhig. Immer noch gleichmäßig.

"Keine Gaben. Keine Fähigkeiten. Keine Kulte. Keine Verbotenen Zonen, die von Bestien wimmelten."

Sie ließ das sacken. Einige Studenten blinzelten, unsicher, ob sie metaphorisch oder wörtlich sprach.

"Wir hatten Städte. Satelliten. Regierungen, die über Wasser und Öl stritten. Wir kämpften um Grenzen und übertrugen es über den Himmel."

Sie blickte nach oben, zur Kuppel, wo Licht sanft über die silberblaue Wölbung schimmerte wie Erinnerungen, die versuchten, sich selbst zu spiegeln.

"Dann kam der Meteoritenschauer."

Sie hörte auf zu gehen.

"Er sollte harmlos vorüberziehen. Nur eine Lichtshow. Etwas Hübsches. Ein einmaliges Himmelsereignis."

Sie drehte sich leicht, nicht für einen Effekt, sondern einfach dem Bogen ihrer Gedanken folgend.

"Aber er zog nicht vorbei."

Ihre Stimme blieb gleichmäßig. Klar.

"Er krümmte sich. Änderte die Richtung. Verschob sich ohne Vorwarnung. Kein Gravitationsfeld. Keine Masseninteraktion. Kein bekanntes Gesetz der Physik konnte es erklären."

Eine Pause.

"Aber es geschah trotzdem."

Sie setzte ihren Gang fort. Gemessen. Gleichmäßig.

"Theorien erfüllten die Luft – göttliches Urteil, außerirdische Intervention, versteckte Waffen. Aber niemand hatte Zeit für Antworten. Nur Zeit zu handeln."

Sie machte einen weiteren Schritt.

"Also gerieten die Regierungen in Panik. Feuerten nukleare Gegenmaßnahmen ab. Jede große Macht schoss, was sie hatte, auf die Fragmente."

Ein Atemzug.

"Sie hatten Erfolg. Auf dem Papier."

Ihre Augen bewegten sich wieder durch den Raum, stetig.

"Sie zerschmetterten die Meteoriten. Verwandelten sie in Trümmerwolken."

Ihre Stimme wurde etwas leiser.

"Und dadurch machten sie es schlimmer."

Noch immer keine Reaktion aus der Halle. Aber jetzt war jedes Ohr gefesselt.

"Es regnete kein Feuer. Es regnete etwas anderes."

Sie hielt wieder an. Nicht in der Mitte. Nicht am Rand. Einfach dort, wo ihr Körper innehielt.

"Partikel. Staub. Ein Schimmern, das beim Herabfallen wunderschön aussah. Es trieb in Wälder. In Ozeane. In die Lungen jedes Lebewesens."

Sie blickte wieder nach oben.

"Es tötete uns nicht."

Eine Pause.

"Es veränderte uns."

Ihre Augen bewegten sich über die Sitze, nicht nach jemandem suchend, nur um sicherzustellen, dass sie noch zuhörten.

"Man gab ihm Namen. Äther. Geisternebel. Mutationsblüte. Aber niemand konnte es erklären. Und niemand konnte es aufhalten."

Noch ein ruhiger Moment.

"Manche Menschen veränderten sich über Nacht. Einige wurden stärker. Andere wurden... anders."

Sie erklärte nicht weiter. Sie musste es nicht. Jeder hier war mit Fragmenten dieser Geschichten aufgewachsen oder hatte die Folgen aus erster Hand gesehen.

"Tiere mutierten schneller. Vögel wurden zu Jägern. Wölfen wuchsen Schuppen. Pflanzen entwickelten Reaktionen – scharf, schnell und chemisch. 𝗳𝗿𝐞𝕖𝘄𝗲𝕓𝗻𝚘𝚟𝕖𝐥.𝚌𝕠𝕞

Ganze Gebirgsketten stürzten ein, und der Lauf der Flüsse wurde umgekehrt. Und der Himmel selbst... verdrehte sich."

Die Stille wurde schwer.

"Die Zivilisation brach innerhalb von zwei Jahren zusammen."

Nicht geschrien. Einfach gesagt.

"Über neunzig Prozent der Bevölkerung verschwanden."

Ihre Hände blieben an ihren Seiten. Sie zuckte nicht zusammen.

"Einige wurden von Bestien genommen. Andere wurden von den Veränderungen betroffen. Manche konnten einfach nicht mithalten."

Eine lange Pause.

"Der Rest klammerte sich an das, was übrig war. Städte mit Mauern. Dörfer mit zu wenig Energie. Bunker mit Filtern, die innerhalb von Wochen kaputtgingen."

Ihre Stimme blieb gleichmäßig.

"Astralis war nicht das erste, das aufstieg. Es war das letzte."

Ein weiterer Atemzug.

"Eine von drei Universitäten, die durch die letzte gemeinsame Anstrengung der Menschheit geschaffen wurden. Nicht zum Schutz. Sondern zur Vorbereitung."

Dann sagte sie es noch einmal, schlicht.

"Macht war kein Geschenk."

Die Halle bewegte sich nicht, aber trotzdem veränderte sich etwas.

"Es war eine Schuld."

Ein Gewicht legte sich in die Luft, nicht schwer, aber bestimmt wie eine sich schließende Tür.

Sie hob langsam eine Hand, nicht um etwas vorzuführen, sondern als ob sie sich daran erinnerte, wie der Himmel in jenen Tagen aussah.

"Ein Schimmern. Ein sanfter Regen, der drei Tage anhielt. Er verschmolz mit dem Boden, mit der Luft, mit allem."

Ihre Hand senkte sich wieder.

"Er veränderte uns."

Die Beleuchtung wurde etwas gedämpfter, nicht dramatisch – nur an den Ton angepasst. Schatten wurden weicher. Linien wurden klarer.

"Einige Menschen erlangten Kräfte. Nicht viele. Aber genug, um das Gleichgewicht zu verschieben."

Einige Studenten bewegten ihre Schultern. Nicht zappelnd. Nur um sich zu erden.

"Tiere veränderten sich zuerst. Dann das Land. Dann wir."

Sie hielt inne und ließ die Stille sprechen.

"Es gab keine Zeit, sich anzupassen."

Dann bewegte sie sich wieder.

"Im ersten Jahr waren sechzig Prozent der Menschheit verschwunden."

Die Zahl landete nüchtern.

"Im zweiten Jahr überstieg es neunzig."

Keine Dramatik. Nur die Wahrheit.

"Alte Regierungen versuchten durchzuhalten. Scheiterten. Systeme brachen zusammen. Ganze Regionen wurden zu Verbotenen Zonen."

Ein leises Summen vibrierte wieder unter den Füßen. Die Halle selbst reagierte. Nicht laut. Nur um sie daran zu erinnern, dass auch sie zuhörte.

"Die Überlebenden waren nicht besser. Sie waren nicht auserwählt. Sie waren einfach... am Leben. Schnell. Glücklich. Stur."

Sie verlangsamte sich, als sie zur Mitte zurückkehrte.

"Sie nahmen, was übrig war. Bargen, was noch funktionierte. Schlossen Abkommen mit den Mächtigen. Bildeten Städte."

Sie blieb stehen.

"Und Astralis wurde gebaut."

Nicht verkündet. Einfach platziert.

"Es war nicht die erste Megastruktur. Es war die letzte."

Sie blickte sie jetzt alle an.

"Von den dreien bleiben nur noch zwei."

Immer noch keine Projektion. Keine Musik. Kein Brimborium.

"Astralis wurde nicht gebaut, um die Starken zu schützen. Es wurde gebaut, um die Überlebenden zu schärfen."

Sie erhob ihre Stimme nicht. Sie musste nicht erhoben werden.

"Ihr seid nicht besonders, weil ihr hier seid."

Sie hielt inne.

"Ihr habt Glück."

Einen Moment länger.

"Und Glück ist kein Fundament."

Sie trat wieder vor.

"Diese Universität bietet nicht an. Sie fordert."

Ihre Stimme änderte sich nicht. Aber der Ton schon.

"Sie verlangt Wachstum. Schmerz. Beweis."

Sie ließ das sacken.

"Dieser Campus ist umgeben von Städten, die von Studenten gebaut und verwaltet werden. Sie schaffen ihre eigenen Systeme. Ihre eigene Sicherheit. Niemand greift ein."

Dann die Erinnerung.

"Ihr werdet Astralis-Punkte erhalten."

Eine Pause.

"Sie können nicht gekauft werden. Sie können nicht verschenkt werden. Sie werden verdient. Und sie können genommen werden."

Keine Erhöhung der Tonlage. Keine dramatische Pause.

"Punkte bestimmen alles. Unterkunft. Nahrung. Missionen. Labore. Mentoren."

Ihr Blick schweifte durch die Halle.

"Zur Sicherheit."

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