Die Wiedergeburt von Omega-Chapter 886: Vierte Herausforderung (Kap.887)
Sie hatte aufgehört zu fallen, stellte sie fest.
Neveahs Augen rissen auf, als sie feststellte, dass sie nicht mehr auf das blaue Meer starrte, das der Himmel war, sondern dass große goldene Schuppen nun ihr Blickfeld verdeckten.
Ihre Augen weiteten sich. Nicht vor Entsetzen oder Terror oder irgendetwas Ähnlichem. Nur aus einer stillen Myriade von Gefühlen, die sie schneller durchströmten, als sie sie identifizieren oder begreifen konnte.
Ein fester, rauer Griff lag um ihren Oberkörper. Nicht fest genug, um zu ersticken, aber gerade so fest, dass sie nicht fiel.
Ihre Augen suchten den Griff um sie herum ab, und fast augenblicklich dämmerte ihr die Erkenntnis. Gerade als eine ruhige, beruhigende Stimme ihren Geist erfüllte.
’Geliebte. Ich bin jetzt hier... Ich bin da.’
Ein Drache! Es war ein Drache!
Anders als der letzte, dem sie begegnet war, war dieses Tier mit goldenen Schuppen bedeckt und hatte Flügel, die weit genug waren, um den Himmel zu überwinden.
Von ihrem Aussichtspunkt aus konnte sie nicht viel sehen, nur, dass der Boden und die Schlacht unter ihr immer weiter weg waren, je höher sie stiegen.
’Ich bin hier... Ich bin jetzt hier...’
Es war ein sich wiederholender Gesang in ihrem Kopf. Und sie war sich nicht sicher, ob es ihr eigener Verstand war, der ihr Streiche spielte, oder ob es nur daran lag, wie oft der Drache diese Versicherung sprach.
Die Stimme in ihrem Kopf hatte etwas an sich, das einen Schmerz in ihr auslöste, der tiefer war als alles, was sie je zuvor empfunden hatte. Und sie wuchs mit jedem Mal, wenn er die Worte "Ich bin hier" sagte.
Ihr Herz pulsierte in einem Rhythmus, der ihr entfernt vertraut war und doch weit über die Grenzen hinausging, die ihre Erinnerung zuließ.
Ein Gefühl der Vertrautheit, schwer und unbestreitbar, durchflutete ihren Geist.
Sie kannte diese Stimme... es war nicht einmal eine Frage. Sie kannte sie!
Sie kannte sie so sicher, wie sie ihr eigenes Herz kannte. Sie hatte sie schon hundert... nein, tausendmal gehört.
Auch wenn sie sich nicht genau daran erinnern konnte, so war sie sich doch in einem Punkt sicher. Sie kannte ihn!
Der brennende Schmerz kehrte zurück, schärfer als je zuvor.
Der Wind peitschte um sie herum, aber er linderte nicht den Schmerz, der ihren Schädel verwüstete.
Ihre Schläfe pochte, ihre Eingeweide fühlten sich an, als würden sie brennen.
Der Drang, sich zu übergeben, wurde immer stärker, aber sie konnte nicht einmal ein Glied bewegen. Nicht, wenn man bedenkt, wie fest sie in der Klaue des Drachens gehalten wurde.
Der trübe Nebel in ihrem Kopf schien sich zu verdichten, bis sie hinter ihren geschlossenen Lidern nur noch einen weißen Dunst sah.
Und dann, mit einem Mal, als hätte eine Klinge durchgeschnitten, löste sich der Nebel auf.
Die Szenen schossen ihr schneller durch den Kopf als der Wind, der durch ihr Haar peitschte.
Es ging zu schnell, als dass sie sich einen Reim darauf machen konnte, auf gar nichts.
Außer der Tatsache, dass sie genau dort war. In jeder einzelnen dieser Szenen war sie dort.
In einer anderen Welt, an einem anderen Ort, an dem die Erde und der Himmel zu einer Einheit verschmolzen.
’Ich muss mich erinnern.’ dachte Neveah bei sich.
Die Erinnerungen waren genau da. Ausgelöst durch seine Berührung, seine Stimme in ihrem Kopf. Sie waren sich näher als je zuvor. Sie waren nur eine Haaresbreite voneinander entfernt, nahe genug, um sich zu berühren.
Sie konnte praktisch das Flüstern einer Zeit spüren, die sie vergessen hatte. Eine Zeit, die im trüben Dunst ihres Verstandes verschwunden war, begraben unter monatelangen Zweifeln und Unsicherheiten und Fragen, auf die es keine Antworten gegeben hatte.
Alles, was sie tun musste, war, die Hand auszustrecken und sie zu ergreifen. Und sie versuchte es. Beim Schöpfer, sie tat es!
Aber da war einfach etwas... eine Unstimmigkeit. Eine Dunkelheit, die direkt über ihr schwebte und es ihr nicht erlaubte, es zu erreichen.
Aber sie konnte es nicht verlieren! Nicht dieses Mal! Nicht heute!
Denn ohne ihre Erinnerungen, was hatte sie noch? Wer war sie?
Sie biss trotz des Schmerzes die Zähne zusammen und zwang ihren Geist, sich zu beruhigen.
Doch bevor sie ihre eigenen Gedanken lange genug zur Ruhe bringen konnte, um ihren Geist für die Erinnerungen zu öffnen, die direkt an die Oberfläche drangen, riss ein scharfer Schmerz an ihren Seiten.
Sie konnte spüren, wie ihr Fleisch aufriss. Ihre Lippen öffneten sich zu einem lautlosen Schrei, während ihre Hüfte blutig wurde.
Alessio!
Dieses Gefühl ... war sein Ruf. Er verlangte von ihr, dass sie zurückkam oder die Konsequenzen seines Einflusses auf sie zu tragen.
Sie wusste nicht, ob der Drache es spürte. Die Bestie war so sehr darauf konzentriert, sie vom Kampf abzulenken, dass sie nicht sicher war, ob er es bemerkt hatte. Sie wartete nicht, um es herauszufinden. 𝚏𝐫𝚎𝗲𝕨𝐞𝐛𝕟𝚘𝐯𝚎𝗹.𝕔𝐨𝗺
Wut wallte in ihren Adern auf. Sie spürte, wie die Wärme der Magie in ihr aufflammte, noch bevor sie danach greifen konnte.
Die Welt drehte sich um sie herum. In einem Moment war sie zu weit vom Boden entfernt, um den Überblick zu behalten, und im nächsten kippte die Welt, und in einem goldenen Lichtblitz fand sie sich direkt auf dem Dachgarten wieder, ihm gegenüber.
Alessio...
Er stand da und blutete aus einer neuen Krallenwunde um seine Hüfte. Genau an der Stelle, von der sie noch immer den Schmerz ausstrahlen konnte. Aus seinen eigenen Krallen tropfte ein stetiger Strom von Blut.
Sie war sich nicht sicher, wie. Oder warum, aber sie hatte sich zu ihm zurückgebeamt.
Weit hinter ihr erschütterte ein furchtbares Gebrüll die Erde.
Sie hörte das Echo bis in ihre Knochen hinein. Ihr Herz stotterte in ihr, aber sie unterdrückte den Schmerz.
Sie konnte ihn kommen spüren. Nicht nur ihn. Sie erkannte die Silhouetten großer Bestien, die am Himmel kreisten.
Sie spürte die Hitze, noch bevor sie sie erreichte, und aus einem Instinkt heraus hob sie eine Hand. Eine Barriere aus glühendem Gold materialisierte sich, umgab den Dachgarten und schloss ihn von oben her ein, während ein Flammenstrom auf die Stelle niederprasselte, an der Alessio gestanden hatte.
Die Hitze war so stark, dass sie sie durch die Barriere hindurch noch spüren konnte.
Alessio duckte sich instinktiv, seine Augen starrten wild nach oben, während die Barriere die Flammen abschirmte. Und dann fanden seine Augen die ihren.
"Neveah!!!"
Es war nicht Alessio. Es war nicht einmal die Stimme in ihrem Kopf. Es war eine andere Stimme ... eine andere Stimme, doch sie rührte an denselben hohlen Schmerz.
Sie hörte den Ruf, die Vertrautheit der Stimme zerrte an ihrem Herzen.
Aber sie drehte sich nicht um. Sie bestätigte ihn nicht.
"Das sind wir..." sagte Alessio, "Du und ich, nichts kann uns aufhalten."
Neveahs Augen glühten vor Wut. Sie hatte es schon tausendmal gesagt, dass es in ihrer Gleichung niemals ein ’wir’ geben konnte. Aber es schien, als würde Alessio sich dieser Realität nie stellen.
"Nichts." stimmte sie zu,
"Aber ich kann." ergänzte sie und stoppte das Lächeln auf Alessios Lippen, bevor es sich ausbreiten konnte. "Ich kann uns aufhalten. Uns beenden."
Alessios Augen verengten sich, sein Ton war misstrauisch: "Was soll das heißen?"
"Ihr habt Euch heute drei Herausforderungen gestellt, Alessio Terran Lothaire. Ich werde deine vierte... und letzte..." Ihre Stimme verstummte,
"Du und ich, das endet erst, wenn einer von uns oder wir beide tot sind."







